DIE VERWANDLUNG


   
 

Die Sonne stand schon hoch im Zenith, als sich die Karawane langsam dem kleinen Bergdorf näherte.

Der Anführer rief mit lauter, befehlsgewohnter Stimme einige Anweisungen, schlug den Aufschlag seines reichbestickten Umhanges zurück und ließ sich von zweien seiner Leibdiener von seinem Pferd herunterhelfen, einem prächtigen Hengst, dessen schwarzes Fell in der Sonne schimmerte. Zwei weitere Diener eilten auf ihn zu, glätteten die Falten seines Mantels und gingen mit gemessenen Schritten hinter ihm her, während er sich, von zwei Wachen flankiert, der kleinen Gruppe Menschen näherte, die sich bereits vor dem Dorf versammelt hatten. Ziegen, Schafe und herumstreunende Katzen liefen ebenfalls planlos durch die kleine Ansammlung von Hütten und schauten neugierig zu den Neuankömmlingen herüber. Als aus der Gruppe der Bergbewohner schließlich drei Männer heraustraten, die in einfache Tuniken aus Ziegenleder gekleidet waren, welche ihre Träger durch die schlichten gestickten Verzierungen als die Anführer der Bergbewohner auswies, trat der Anführer der Karawane ihnen hoheitsvoll entgegen, offensichtlich um ihre Gunstbezeugungen entgegenzunehmen. Daher zog er mit einem leichten Erstaunen eine seiner Augenbrauen hoch, als die drei Männer zwar kurz das Knie beugten und eine leichte Verbeugung andeuteten, sich jedoch nicht so vor ihm in den Staub warfen, wie er es von seinen Untertanen gewohnt war.

„Es ist uns eine Ehre, dich hier willkommen zu heißen, Chyrdhan.“

Der Blick aus den alterslosen Augen des Mannes, der in der Mitte stand und dessen Haut durch die glühende Sonne braun und von vielen Runzeln durchzogen war, mit dem er sein Gegenüber musterte, war ebenso stolz wie der des Karawanenanführers, als dieser die Bergbewohner zuerst gemustert hatte.

Chyrdhans Stimme war herrisch, laut und fast von einem Anflug von Zorn durchzogen, als er das Wort an sein Gegenüber richtete.

„Du scheinst nicht zu wissen, mit wem du es zu tun hast, alter Mann. Ich hatte nicht damit gerechnet, hier ein heruntergkommenes Dorf vorzufinden und einen Anführer, der nach Ziegenmist stinkt. Außerdem bin ich es gewohnt, dass man mich mit allen meinen Titeln und Ehrentiteln begrüßt. Ich nahm an, dass mein Botschafter, den ich vorausgeschickt hatte, euch mit dem Zeremoniell und meiner Anrede vertraut gemacht hätte: Chyrdhan, Herrscher der sieben Länder von Whychrán, Gebieter und Gemahl der edlen Prinzessinnen und Königinnen von Lankrain, Thorzhela und...“

Während er fortfuhr, seine Titel weiter aufzuzählen, sah ihn der Mann in der Ziegenledertunika unerschütterlich und vielleicht sogar heimlich amüsiert an und schien sich nicht an Chyrdhans stolzem Gebaren zu stören.

„Es tut mir leid, wenn dich irgendetwas an unserem Empfang gestört hat, aber wir sind nicht daran gewöhnt, hier jeden Tag so hohe Gäste zu empfangen. Umso mehr reizt es mich natürlich den Grund deines Besuches zu erfahren.“

Nach einer kurzen Pause fuhr er fort:

„Ach ja, mein Name ist Toshkan, einfach nur Toshkan.“ Er lächelte.

Chyrdhans Gesicht wurde von  einem noch erstaunteren und ärgerlicherem Blick als zuvor überzogen.

„Du bist Toshkan? Dann scheint es nicht zu stimmen, was ich über euren Tempel gehört habe. Es kann nicht sein, dass sich der Heilige Tempel der Weisheit in eurem Dorf befindet. Meine Gelehrten haben mir außerdem versichert, dass er von einem ehrwürdigen Priester namens Toshkan verwaltet wird. Es ist unmöglich, dass du dieser Toshkan bist.“

Der so Angesprochene ließ wieder ein unergründliches Lächeln um seine Lippen spielen.

„Ich muss dich enttäuschen, edler Chyrdhan. Aber ich scheine tatsächlich derjenige zu sein, den du suchst. Aber hier auf dem Dorfplatz kann man sich nicht sehr gut unterhalten. Ich lade dich herzlich ein, mein Gast in meinem bescheidenen Heim zu sein, um dir mehr über mich und den Tempel zu erzählen. Allerdings...“

Er sah flüchtig auf die lange Karawane, die fast den gesamten Bergpfad säumte.

„... habe ich nicht Platz, um deine ganze Begleitung bei mir aufzunehmen. Und es könnte auch sein, dass die kostbare bestickte Borte deines Umhanges etwas Bekanntschaft mit unserem Bergstaub macht. Daher würde ich dir empfehlen, ihn einem von deinem Dienern zu überlassen. Jedenfalls so lange bis wir uns unterhalten haben werden, um  herauszufinden, ob du das, was du hier suchst, auch hier finden wirst.“

Chyrdhan warf einen flüchtigen Blick auf die niedrigen Lehmhütten, die sich an den Berghang drängten und löste mit einer Unmutsäußerung die Agraffe, die seinen Umhang zusammenhielt, um ihn einem seinem Leibdiener zu übergeben. Wortlos winkte er seine beiden Wachen, mit ihnen zu kommen und folgte Toshkan zu seiner Hütte.

Im Inneren der Hütte war es angenehm kühl, trotz des kleinen Feuers, über dem ein Kessel hing, dem ein angenehmer Duft entstieg. Chyrdhan sah sich vergeblich nach einem Polster um, auf das er sich setzen könnte und ließ sich dann mit einigen ärgerlichen Worten auf einer niedrigen Steinbank nieder, nachdem er Toshkan mit herrischer Stimme aufgefordert hatte, den Staub zu entfernen.

„Natürlich, natürlich. Ich weiß, was ich meinen Gästen schuldig bin. Ihr müßt entschuldigen, edler Chyrdhan, aber in meinem Haushalt gibt es niemanden, der diese Dinge für mich erledigt.“ Toshkan schmunzelte und warf einen flüchtigen Blick durch das Fenster auf die riesige Karawane mit den persönlichen Bediensteten des Herrschers der sieben Länder von Wychrán.

Dann füllte er noch immer lächelnd vier Schalen mit dem duftenden Getränk aus dem Kessel und überreichte sie seinen Gästen, bevor er selbst einen tiefen Schluck aus seiner Schale nahm.

„Der Tee schmeckt gut, nicht wahr? Er ist aus Kräutern gebraut, die es nur hier in unseren Bergen gibt.“

Chyrdhan nippte an dem Tee und musste sich zu seinem Unwillen eingestehen, dass er köstlich schmeckte. Dennoch klopfte er mit seinen ringgeschmückten Finger ungeduldig auf der Steinbank.

„Vielleicht sollten wir jetzt auf den Grund meines Besuches hier zu sprechen kommen. Ist es wahr, dass du hier der Hüter des Tempels der Weisheit bist? Ich kann in eurem ärmlichen Dorf keinen Tempel entdecken."

Toshkan stand auf und wies auf das westliche Fenster, das auf den geschwungenen, blumengesäumten Bergpfad zum Meer herunterführte.

„Dann hast du nicht richtig hingeschaut, Chyrdhan. Hier gibt es den größten Tempel, den du dir vorstellen kannst. Du musst nur richtig hinschauen.“

„Meine Gelehrten haben in alten Schriften einen Hinweis darauf entdeckt, das hier eine uralte göttliche Macht angebetet wird, die große Weisheit und magische Fähigkeiten verleiht. Es wird in meinem Land immer schwieriger, den Forderungen und Drohungen meiner Feinde entgegenzutreten. Mein ganzes Amt fordert jeden Tag mehr und mehr von mir. Es ist unbedingt erforderlich, dass ich Fähigkeiten besitze, die niemand sonst hat. Ich habe reichliche Opfergaben mitgebracht, um sicherzugehen, dass meine Gebete auf jeden Fall auch erhört werden. Doch wenn ich mich hier umschaue, zweifle ich daran, dass es jemanden oder etwas gibt, der meine Opfergaben richtig zu würdigen wissen wird.“

Toshkans Gesicht wurde von dem flackernden Feuer erhellt. Seine dunklen Augen waren wie zwei tiefe Seen.

„Was hast du mitgebracht Chyrdhan?“

„Die Götter meines Landes werden in reiche, edelsteinbesetzte Gewänder gekleidet und bei festlichen Prozessionen aus ihren Tempeln geholt, um durch die Straßen getragen zu werden. Wir verbrennen Weihrauch vor ihren Altären, opfern ihnen Obst und Gold, um sie gnädig zu stimmen. Ich habe reichlich Edelsteine, erlesene Früchte und Gold und Räucherwerk mitgebracht.“

Chyrdhan redete ununterbrochen weiter und erging sich in einer detaillierten Liste seiner mitgebrachten Gaben, so dass er zuerst gar nicht bemerkte, dass Toshkan etwas sagen wollte.

Schließlich redete Toshkan einfach, und Chyrdhan hörte auf weiterzusprechen, auch wenn er offensichtlich ärgerlich über die Unterbrechung war.

„Es könnte durchaus möglich sein, dass du vergeblich zu uns gekommen bist, obwohl deine Berater recht haben. Tatsächlich gibt es hier mehr Wunder zu entdecken als du dir vorstellen kannst. Doch ich kann dir nicht sagen, ob das, was du mitgebracht ist, das richtige ist, um dir zu helfen, die Wunder zu entdecken. Tatsächlich gibt es hier etwas, das dir helfen kann, deine Weisheit zu entdecken und deine magischen Fähigkeiten zu entwickeln. Doch du wirst es nicht zusammen mit deinem gesamten Hofstaat entdecken können. Wenn du heute abend diesem Weg zum Meer folgst und die Nacht bei dem Felsen am Uferrand verbringst, kann es durchaus sein, dass du einer Manifestation dieser wunderbaren Macht begegnest, die du suchst. Doch am Ende der Nacht wirst du bemerken, welches Opfer sie von dir verlangt. Es ist jedoch wichtig, dass du die Nacht dort alleine verbringst.“

Chyrdhan erging sich in einer gereizten Tirade darüber, dass er vielleicht den ganzen Weg umsonst gemacht habe, obwohl er doch viele Kostbarkeiten mitgebracht hatte, um sich seinen Anteil an der unendlichen Weisheit zu sichern – und jetzt war es ungewiss, ob er überhaupt Erfolg haben werde.

Toshkan lächelte wieder:

„Es liegt an dir, Chyrdhan, ob du es versuchen willst. Die Götter lassen nicht so mit sich handeln, wie du es dir vielleicht vorstellst. Weisheit und Magie lassen sich nicht immer mit  Reichtümern erkaufen.“

Chyrdhan überlegte einige Augenblicke.

Ob er Toshkan trauen konnte? Vielleicht war der Handel doch nicht so verkehrt. Was konnte die Götter, die hier anwesend waren, schon von ihm verlangen, wenn es nicht sein Reichtum war? Vielleicht waren sie damit zufrieden, dass er ihnen einen Steinaltar errichten ließ oder ein paar neue Kleider für die Priester. Im Grunde war es nur zum Vorteil für ihn, wenn das Leben hier in dem Bergdorf nicht so üppig war wie er es von seinen Städten kannte, deren Tempelpriester Unsummen für jede noch so kleinste Gefälligkeit verlangten. Waffen hatte er hier keine gesehen. Er glaubte nicht wirklich daran, dass die Leute hier ihm eine Falle stellen und ihn umbringen würden, während er dort unten alleine bei den Felsen die Nacht verbringen würde. Was würde es ihnen auch nützen? Seine Reichtümer waren gut bewacht, und sie könnten damit rechnen, dass ihr kleines Bergdorf, schneller als ein Windstoß brauchen würde, um von einem Felsen zum anderen zu gelangen, von seinen Wachen dem Erdboden gleichgemacht würde. Doch vorsichtshalber würde er seinen beiden Leibwächtern, die mit in die Hütte gekommen waren, anweisen, in der Nacht in Rufweite in der Nähe der Felsen zu bleiben.

Dann wandte er sich wieder an Toshkan:

„Ich bin einverstanden.“

Toshkan erwiderte mit seinem geheimnisvollen Gesichtsausdruck:

„Eine weise Entscheidung, Chyrdhan, die sicherlich dein ganzes Leben beeinflussen wird.“

 

Der Strand war nur ein kurzer Streifen Sand, von hohen, teilweise ausgehöhlten Felsenklippen gesäumt. Keine menschlichen Fußspuren waren dort zu sehen, nur die Spuren von kleinen Krebsen, die hin und wieder aus dem Wasser huschten, zeugten von Leben. Das Wasser schoss wie mit kleinen Zungen über den Sand und hinterließ für kurze Zeit kleine weiße Gischtstreifen auf dem Strand. Chyrdhan war gegen seinen Willen von den bizarren Felsformationen fasziniert, die das Wasser in Jahrtausenden in den Felsen gegraben hatte. Manche sahen tatsächlich aus wie zu Stein erstarrte Lebewesen, und je nachdem, von welchem Blickwinkel man sie betrachtete und wie das Mondlicht auf sie fiel, hatten sie eine ganz andere Gestalt.

Manche sahen aus wie zu Eis erstarrte Schlangen, und wenn er noch genauer in die Aushöhlung unter dem Felsen hereinschaute, glaubte er tatsächlich, sich in einer unterirdischen Tropfsteinhöhle zu befinden, obwohl er sich nur wenige Meter vom Strand entfernt hatte und die langen welligen Zacken keine Stalagmiten und Stalakiten, sondern die zu seltsamen Formen ausgehöhlte Felsenwände waren. Dann hatte er das Gefühl, direkt in das Maul eines seltsamen Drachenwesens mit langen scharfen Zähnen zu schauen, und er zuckte unwillkürlich zurück, atmete dann aber wieder auf, als er sah, dass es nur ein Felsen war. War es tatsächlich nur ein Felsen? Hatte sich dort nicht gerade etwas bewegt?

Er wollte sich nicht eingestehen, dass er sich fürchtete. Da er es sonst gewohnt war, in jeder passenden und unpassenden Situation seine Stimme zu erheben, Befehle zu erteilen, jede Situation an seinem Hof mit seiner Stimme zu beherrschen, begann er nun auch, zuerst leise und dann immer lauter mit sich selbst zu sprechen.

„Was habe ich mir nur dabei gedacht, auf den Rat dieses Narren zu hören? Hier ist nichts außer mir selbst und morgen werde ich noch immer hier sitzen und auf das Wasser starren, das meine Füße berührt und kalt wie Eis ist. Verflucht. Hier ist nichts außer mir. Andernfalls hätte dieses Wesen sicherlich schon zu mir gesprochen.“

Was ist das? Chyrdhan konnte sich nicht daran erinnern, dass er auf dem Weg am Strand entlang irgendwelche Pflanzen mit diesem Duft gesehen hatte. Aber – dennoch – er hätte schwören können, dass für einen kurzen Augenblick ein feiner Duft seine Nase berührt hatte.

Er war fein und zart gewesen, so ganz anders als das schwere betäubende Parfüm, mit dem die Frauen seines Harems sich parfümierten. 

„Nein, Unsinn, hier ist nichts. Niemand ist hier. Sonst hätte ich doch etwas gesehen... oder gehört,“ murmelte Chyrdhan und war sich im selben Augenblick nicht sicher, ob er nicht doch für einen Augenblick die Augen geschlossen hatte, als sich der feine Duft in seinem Inneren ausbreitete und er das Gefühl hatte, in einer riesigen Spirale aus goldenem und silbernen Licht zu stehen. Das Gold und Silber vermischte sich in ihm zu einem sanften Ton, der leicht an- und abschwoll und jede Zelle seiner Körpers vibrieren ließ.

Er blinzelte und als sein Blick auf einen der Felsen fiel, fragte er sich, ob dieser auch eben schon diese geschwungene Linie besessen hatte, die fast aussah wie die schlanken Schenkel einer Frau. Aber zerfloss die Gestalt nicht zu einem zarten durchscheinenden Gewebe aus silbernen und goldenem Licht, das sich ihm näherte? Einen Augenblick lang war er ganz eingehüllt in die pulsierenden Energiewirbel, und es erschien ihm, als wenn zarte, sanfte Hände leicht über sein Gesicht strichen.

Eine sog voller Überraschung die Luft ein. Wenn er mit seinen Gespielinnen das Lager teilte, war es ein erregendes Gefühl, zehn oder mehr Hände gleichzeitig auf seinem Körper zu fühlen. Doch dieses war etwas, das darüber hinaus ging.

Die unsichtbaren Hände berührten gleichzeitig seine Nase, seine Ohren und seine Augen und wieder nahm er einen Duft war, doch diesesmal änderte er sich jedes Mal, wenn er seinen Blick auf etwas anderes in seiner Umgebung richtete. Sah er auf das Meer, hatte es nicht mehr nur den salzigen Geruch, den er sonst wahrnahm, sondern noch etwas anderes, den Duft der Farben um ihn herum, der Wildheit der tiefblauen Dunkelheit des Meeres. Er konnte die Energiewirbel riechen und hören, durch die das Meer in tausendjährigem Auf und Ab, Ebbe und Flut, die Felsen geformt hatte. Er fühlte mit seinen ganzen Sinnen, wie die Minerale immer seltsamere und bizarrere Felsformationen gebildet hatten.  Alles um ihn herum vibrierte und klang in wunderschönen, perlenden Tönen. Es geschah tatsächlich etwas seltsames. Er konnte die Farben seiner Umgebung riechen, er konnte den Duft aller Dinge um ihn herum hören...

Es war eine berauschende Woge der Sinnlichkeit, die ihn überflutete. Ein vollkommen neues und ungewohntes Gefühl durchströmte ihn. Bisher dachte er, alle Spielarten der Sinnesfreuden zu kennen. Er hatte Befriedigung mit Frauen jeder Hautfarbe und der unterschiedlichsten Temperamente erfahren. Doch niemals zuvor hatte er mit allen Sinnen die Natur um ihn herum gespürt so wie in diesem Augenblick.

Energiewirbel strömten aus jedem Stein, jedem Sandkorn und jeder Meereswelle direkt in seinen Körper, vermischt mit dem Duft des Mondlichtes und dem Klang der Wolken.

Es war das erste Mal, dass er sich auf ein Liebesspiel mit der Natur eingelassen hatte.

 

Als die Sonne schließlich am Horizont aufging, lag er noch immer dort und genoss den Wind auf seiner Haut und die Sonnenstrahlen, die in kleinen hellen Tönen seine Fingerspitzen streichelten. Als er Schritte auf dem Strand hörte, richtete er sich langsam auf und drehte sich um. Toshkan und seine beiden Begleiter, die ihn auch bei seiner Ankunft gestern in Empfang genommen hatten, näherten sich langsam seinem Lager. In diesem Augenblick bemerkte er etwas, das er am gestrigen Abend nicht bemerkt hatte. Er sah es an dem seltsamen starren Blick des Mannes, der rechts neben Toshkan ging und an Toshkans Händen, die ihn um einige Felsen herumführte. Er musste blind sein.

Als Toshkan sich zu seinem Begleiter links umwandte, bemerkte Chyrdhan an den schnellen Gesten, die beide miteinander wechselten, dass auch mit diesem etwas war, das er vorher nicht bemerkt hatte. War er taub?

Toshkan näherte sich ihm langsam. Ob sie ihm ansahen, dass diese Nacht etwas außergewöhnliches mit ihm geschehen war?  Sein ganzer Körper zitterte und klang noch immer nach von den Erlebnissen dieser Nacht. Aber was war das Opfer  gewesen, das von ihm verlangt worden war? Er hatte vorsichtshalber alle Edelsteine und Schätze, die er mitgebracht hatte, am Strand aufhäufen lassen, allerdings in Sichtweite der Wachen, die er zu seiner Bewachung befohlen hatte. Dennoch war alles noch unberührt.

Doch noch bevor Toshkan zu ihm trat und ihn mit einem wissenden Lächeln ansah, um  ihn zu fragen, wie er die Nacht verbracht hatte, begann sein Herz zu rasen. Er versuchte nochmals, seine Zunge zu bewegen, doch vergeblich. Da erkannte er den Preis, der von ihm gefordert worden war.